Zweiklassen Trennung

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    • Hina blickte in reinem Schock auf, starrte Ferres an. Wie-... wie konnte er nur so desinteressiert sein? Hatte er ihm denn nicht ZUGEHÖRT?!
      „Du verstehst scheinbar nicht Ferres...-!“, setzte Hina erneut an.
      „Nein Li! DU verstehst scheinbar nicht!“, unterbrach Julius ihn scharf, „du bist der EINZIGE von uns allen, der auch nur eine CHANCE hat Lorcan zu besiegen! Mehr noch: Der mit GARANTIE einen Sieg holen kann!“
      „Aber...-“
      „Und wenn ich EINES aus unserer gemeinsamen Jugendzeit gelernt habe“, unterbrach Julius ihn wieder, „dann, dass es NIEMANDEN gibt, der 'unbesiegbar' ist! Ganz egal, ob sich die Person dafür hält oder von anderen dafür gehalten wird! NIEMAND ist unbesiegbar!“
      „Wa...?!“, geschockt und fassungslos starrte er Ferres an, dann wurde er ebenfalls aggressiver, „ja hast du mir überhaupt zugehört?! Wie kannst du nach allem was ich gesagt habe nur so... so absolut desinteressiert sein?!?!“
      „Ich bin in keiner Weise desinteressiert“, sprach er wieder in diesem distanziert-desinteressierten Tonfall von vorher, „ich bin lediglich absolut unbeeindruckt von dem was du mir erzählst.“
      „Wa...?!“, starrte Hina ihn abermals in fassungslosem Schock an. Wie... wie konnte Ferres denn bitte ABSOLUT UNBEEINDRUCKT davon sein?! Er hatte ihm gerade erzählt, dass Lorcan ein wahres Monster war – mehr noch als ein Monster – und Ferres tat so, als ob er ihm erzählt hätte, Lorcan wäre nichts weiter, als ein schöner, lieblicher Schmetterling! Was... was STIMMTE nicht mit Ferres?!?!
      „Julius hat recht!“
      Sein Blick schwenkte zu seiner Tochter, die sich abrupt neben ihn gesetzt hatte und nun ihre Hand auf seinen Unterarm legte.
      „Du bist der Einzige, der gegen Lorcan siegen kann! BITTE Daddy! Du MUSST gegen ihn kämpfen! Und...! Und ich bin sicher: Du KANNST das. Du kannst Lorcan schlagen! Ich bin SICHER!“, sprach sie eindringlich mit bittendem Tonfall auf ihn ein.
      Hina sah sie für einige weitere Sekunden an, schwenkte dann seinen Blick und sah wieder auf seine Handprothesen. Ihr bittender Tonfall... wie eindringlich sie gesprochen hatte... es stach, stach in seiner Brust... sie hatte Erwartungen und Hoffnungen an ihn, die er einfach nicht erfüllen konnte.
      Er ließ Ferres Worte noch einmal Revue passieren.
      Ich bin in keiner Weise desinteressiert. Ich bin lediglich absolut unbeeindruckt.“
      Nein Li! DU verstehst scheinbar nicht! Wenn ich EINES aus unserer gemeinsamen Jugendzeit gelernt habe, dann, dass es NIEMANDEN gibt, der 'unbesiegbar' ist!“
      Du bist der EINZIGE von uns allen, der mit GARANTIE einen Sieg holen kann!“
      Kurz blitzte in seinen Gedanken die Vorstellung auf, wie er nochmal gegen Lorcan antrat und genauso schnell, wie sie aufgeblitzt war, verschwand sie schon wieder und wurde abermals durch Angst ersetzt. Eine Angst, die er einfach nicht ignorieren oder überwinden konnte. Er hatte damals bereits haushoch gegen Lorcan verloren. Jetzt war der Mann sogar 20 Level über seinem und da forderten sie wirklich ernsthaft, dass er gegen ihn kämpfen sollte?! Mehr noch: Dass er ihn besiegen sollte?! Wie?
      Sie sagten die ganze Zeit über immer nur, dass er gegen ihn kämpfen sollte, aber sagte nichts davon, wie er das überhaupt anstellen sollte. Wie sollte er, der Versagergolem, der bereits zweimal nur knapp mit dem Leben davon gekommen war, denn ein DRITTES Mal überleben – geschweige denn Lorcan besiegen?
      Das... das war einfach unmöglich... einfach völlig unmöglich... wenn... wenn er nochmal... wenn er ein drittes Mal auf Lorcan traf... dann... er würde diese Begegnung nicht überleben. Er war sich sicher, dass Lorcan ihn töten würde. Er hatte bereits jetzt schon mehr Glück, als Verstand gehabt. Ein weiteres Mal würde Lorcan ihn nicht verschonen.
      Und... und dann erwarteten sie ernsthaft von ihm, dass er gegen Lorcan antrat? Gegen dieses Monster? Allein bei dem Gedanken klopfte ihm sein Herz bis zum Hals.
      „Ich... es... es tut mir leid... ich... ich kann das nicht...“, seine Stimme war ängstlich und zaghaft.
      „Aber Dad!“, rief Saiy aufgebracht, „du... du kannst doch nicht einfach... einfach aufgeben! BITTE Daddy! Du... du bist unsere einzige Hoffnung!!“
      Hina reagierte nicht auf Saiy, wand sich statt dessen an Ferres und sprach immer noch in diesem Tonfall, der zeigte, wie klein und unbedeutend er sich fühlte.
      „Ferres? Nimm die Prothesen wieder mit.“
      „Dad?!“, rief seine Tochter geschockt aus, stand vom Bett auf und blickte mit geschocktem und fassungslosen Augen auf ihn herab, „aber...! Das...! Das kannst du doch nicht machen!! Das...!“
      Er schaute sie an, seine Augen waren niedergeschlagen und baten sie still um Verzeihung.
      Ihr Gesichtsausdruck änderte sich zu Wut, ihre Augen blitzten auf. „Fein! Dann halt nicht! Aber ich muss sagen, ich bin echt enttäuscht von dir! So hätte Hina Sakamoto, der Sechste, NIE reagiert. - Selbst Li nicht! Der Li, den ich mein ganzes Leben lang kannte, war ein warmherziger, mutiger Golem! Aber... aber kein Feigling!“, sie wand sich von ihm ab, Richtung Tür, sah ihn dann noch einmal verbittert an, „da hatte ich also doch all die Jahre lang recht: Mein Vater ist kein Held, sondern nur ein Feigling, der sich vor Verantwortung drückt und ständig davon läuft!“, sie wand sich vollständig um und ging Richtung Tür, die Enttäuschung war in ihrer Stimme bei den nachfolgenden Worten deutlich rauszuhören, „leider hatte ich doch recht.“
      Damit verließ sie den Raum.
      Hina und Ferres blieben in einer bedrückenden Stille zurück.

      Part 6, Teil 140: Ende
      Viel Spaß beim Lesen meiner Nostale-Geschichte =)
      Geschichte Zweiklassen Trennung

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      andere Menschen schwimmen gegen den Strom,
      - ich steh im Wald und finde den doofen Fluss nicht.


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      The post was edited 1 time, last by Hina_Sakamoto ().

    • Wir machen aus Hina, dem Golem, eine Katze und....
      ZACK! 9 Leben :P

      Norgh.. alle enttäuscht... wäre auch nicht der Fan, wenn ich als deutlich Unterlegener gegen einen Helden Lvl 50 antreten müsste... Da hilft dann nur noch ein guter Einfall

      Wie heißt es doch so schön, nicht gleich mit dem Kopf durch die Wand, sondern strategisch vorgehen :D


      /me hinterlässt eine Latte zur Entspannung ^^


      Stolze Schwertkämpferin
    • *genießt den Latte* Hmm~...


      Hina schaute auf die Tür hinter der Saiy verschwunden war. Er fühlte sich so schuldig, traurig seine Tochter ABERMALS so verletzt zu haben und enttäuscht von sich selbst, DASS er sie verletzt hatte.. wieder, wieder verletzt hatte... - er war und blieb nichts weiter als ein Versager, der anderen nur Leid brachte.
      Er war so enttäuscht von sich selbst, dass er einfach nicht ihren Erwartungen entsprechen konnte. Nicht ein einziges Mal in ihrem Leben hatte sie mit Stolz sagen können „Hina Sakamoto ist mein Vater.“ ...und jetzt... jetzt enttäuschte er sie schon wieder.
      Immer noch starrte er auf die Tür.
      Würde sie ihm irgendwann verzeihen? Verzeihen, sie abermals enttäuscht zu haben? Verzeihen, dass er einfach nicht stark genug war, um seine Angst vor Lorcan zu überwinden?

      Julius hatte Saiy nachgeblickt, als diese ihren Abgang hinlegte, schaute nun aber zu Li, welcher immer noch auf die Tür starrte, als ob er hoffte, dass seine Tochter jeden Moment wieder käme und sie sich versöhnen könnten.
      Da konnte Li wohl lange hoffen. Saiy würde so schnell nicht wieder kommen. Sie war eindeutig enttäuscht von der nicht-Bereitschaft ihres Vaters gegen Lorcan zu kämpfen. Sie brauchte jetzt definitiv Zeit, um runter zu kommen und sich abzukühlen.
      Kurz schielte er noch einmal zur Tür. So große Hoffnungen hatte sie sich also gemacht, dass ihr Vater helfen und gegen Lorcan kämpfen würde? So große Hoffnungen, dass sie nun dermaßen enttäuscht war?
      Er blickte wieder zu Li, seufzte in Gedanken. Da Saiy so harsch gewesen war und so explodiert war... - lag es jetzt wohl an IHM die Samthandschuhe anzuziehen und Li auf anderem Wege zu überzeugen. Es brachte schließlich nichts weiter auf den Mann einzuhacken – dann würde er nur vollständig brechen. Nein, etwas Strenge, um ihn aus dem depressiven Loch rauszuziehen, war zwar von Nöten, aber ebenso auch aufbauende, ermutigende und heilende Worte.
      Und da Saiy nun schon den Part der Strenge übernommen hatte.... (etwas, wo er eigentlich gedacht hatte, dass ER diesen Part übernähme, wenn man ihre gemeinsame Vergangenheit bedachte und berücksichtigte, dass Saiy Lis Tochter war... da war es naheliegender, dass Saiy die Fürsorgliche sein würde) ….musste er wohl ran und den anderen Part übernehmen.
      Er seufzte nochmal gedanklich.
      „Der Grund, warum du hier im Zimmer mit dem Hocker üben wolltest, sind die Angestellten und Haiming. Hab ich nicht recht?“, ging Julius zu Tisch und Stuhl an der anderen Seite des Raumes und setzte sich auf den Stuhl.
      Li schien nicht überrascht zu sein, vermutlich hatte der Mann bereits gewusst, dass er hinter den eigentlichen Grund gekommen war. Hmm... wenn man es aus der Perspektive betrachtete, waren sie sich – Li und er selbst – erstaunlich ähnlich. Vielleicht war das mit einer der Gründe warum sie früher – und selbst jetzt noch – immer wieder aneinander stießen und sich gegenseitig irritierten.
      Li schaute nur passiv zu ihm hin, als er selbst sich auf den Stuhl setzte, reagierte anderweitig nicht, blickte dann von ihm weg auf seinen Schoss.
      „Du hast Angst, dass sie etwas dagegen sagen könnten, wenn du auf der Treppe übst.“
      Endlich reagierte Li in dem er nochmal zu ihm hinsah und dann wieder den Blick zu seinem Schoss senkte.
      „Wenn ich auf der Treppe übe, werden sie mir nur wieder sagen, dass ich die Treppe blockiere und die Gäste störe“, sprach er in leisem Tonfall, „ich... ich bekomm schon jetzt oft genug einen auf den Deckel. Da möchte ich nicht noch mehr provozieren.“
      „Hmm... das dachte ich mir bereits.“
      Li schielte zu ihm hin. „Wie bist du dahinter gekommen?“
      Julius machte eine Kopfbewegung Richtung Kleiderschrank. „Du besitzt keinerlei Kleidung außer Schlafwäsche und dazu auch noch mehr Nachthemden, als Schlafanzüge. Nachthemden, die nur NOCH einfacher zu wechseln sind, als Schlafanzüge. Dazu steht ein Toilettenstuhl hier im Raum, der offenbar auch benutzt wird und deine nicht vorhandene Reaktion gegenüber der jungen Angestellten, als sie so wütend auf dich einredete, sprechen Bände. Dazu noch die Unterhaltung, die ich mit Mr. Haiming geführt habe und die ein oder andere unbewusste Reaktion von ihm... UND deine allgemeine Art, wie du dich bereits die ganze Zeit verhältst und gibst, seit dem wir hier das erste Mal bei dir aufgetaucht sind. - Es war recht einfach eins und eins zusammen zu zählen.“
      „Ich... ich hab doch reagiert, als Rena mich so anmeckerte...“, widersprach Li seinen Worten, doch selbst der Widerspruch klang zaghaft und zögernd. Offenbar wusste Li ins Geheim, tief in sich drin, dass er sich gerade selbst belog.
      „Hast du?“, zog Julius eine Augenbraue hoch, sah ihn herausfordernd an, welcher mit unsicheren Augen zurück blickte, „hast du wirklich?“
      Der Blonde wich seinem Blick aus, konnte ihm nicht länger Stand halten. Etwas anderes hatte er von dem gebrochenen Mann nicht erwartet. Doch wenn er zurück dachte an früher..., wie verbissen und mit wie viel Kampfeswillen Sakamoto ihn mit seinem Blick stets herausgefordert hatte... mit wie viel Willensstärke in seinen Augen er ihn angestarrt hatte...
      „Nun... nicht wirklich...“, gab Li zu.
      „Wäre es nicht vielleicht besser sich eine andere Bleibe zu suchen?“, schlug Julius vor.
      „Aber... aber wo soll ich denn sonst hin?!“, kam die verzweifelte Antwort, „ich... ich hab doch sonst nichts. Das hier ist doch meine einzige Chance, um versorgt zu sein. Meine einzige Möglichkeit, wo ich Essen und Trinken erhalte, ein Dach über den Kopf habe, in einem Bett schlafen darf, wo mir geholfen wird mich anzuziehen, mich zu waschen...“, zählte er auf, ein Unterklang von Verzweiflung, Demut und Hilflosigkeit in seiner Stimme, „und.... und ich bin sicher, dass Rena und Guilia netter werden, wenn ich mit den Prothesen besser umgehen kann und sie nicht mehr so viel Arbeit mit mir haben. Es braucht nur noch etwas Zeit, mehr nicht.“
      Julius blickte zu dem blonden Haarschopf. Li hatte wieder den Blick gesenkt, wie er fast immer da saß und Julius war schon zum zweiten Mal in diesen Tagen stark an die einstige Sklavenzeit erinnert. Diesmal war er daran erinnert, wie Sklaven aus reiner Angst, folgsam und demutsvoll stets den Blick gesenkt hielten, um keine Strafen zu provozieren und zu signalisieren, dass sie sich unter ihren Herren sahen.
      Dass der Tag käme, wo er Hina Sakamoto mit solch einem Verhalten sähe, hatte er nie ernsthaft erwartet. Und noch viel weniger hätte er sich Träumen lassen, dass ihm der Anblick nicht gefallen würde.
      „Erst sagst du, ich solle die Prothesen wieder mitnehmen. Nun sprichst du davon, dass du nur etwas mehr Zeit benötigst bis du mit ihnen richtig umgehen kannst. Willst du sie nun behalten oder nicht? Entscheide dich.“
      Li senkte nur noch stärker seinen Blick und schwieg.

      Part 6, Teil 141: Ende
      Viel Spaß beim Lesen meiner Nostale-Geschichte =)
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      The post was edited 3 times, last by Hina_Sakamoto ().

    • Ich bewundere Ferres für seine Ruhe mit Hina umzugehen xD

      Durch die Länge der Geschichte hast du es voll gut hinbekommen diesen ganzen Wandel zu zeigen (auch wenn ich den ganzen Part, wo Hina Raids leadet und sehr viel Alkohol trinkt nicht so mag ist er dennoch nötig gewesen) und einen ganz neuen Charakter aufzubauen. Dieser Hina, der da am Bett gefesselt ist, hat wahrlich nichts zu tun mit dem Hina aus Part 1, aber er ist trotzdem liebenswert und ich hoffe, dass Packell, verzeih, Ferres ihn nun mit zu sich in eine bessere Bleibe nimmt und Hina wieder zum sechsten werden kann.

      /me stellt wieder mal eine Latte hin (und auch eine für Ferres)

      ~Season~ wrote:

      [20:09] <Season> Privatserver sind nichts anderes als gestohlenes Eigentum der Gameforge 4D + Entwell, Basta
      [20:09] <Season> entsprechend ist die Nutzung verboten
    • Kovalsky wrote:

      (und auch eine für Ferres)
      ich glaube er bevorzugt Tee ... Same here! *-*

      Ja die Geschichten sind echt der Wahnsinn. Hina ist zwar die ein und die selbe Person, aber durch den Lauf der Geschichte hat er sich stark verändert... Ich hoffe er ist nur in einem "Loch" gefallen und Ferres zieht ihn einfach heraus aus seiner depressiven Einstellung

      /me legt noch ein paar Kekse hin, konnte sich aber nicht beherrschen und nahm eines


      Stolze Schwertkämpferin
    • @ Kovalsky und Citty
      Vielen Dank über diese Worte von euch. Das sagt mir, dass ich meinen Job gut gemacht habe.
      Vielen, vielen Dank für dieses Lob.
      =)


      Julius seufzte abermals in Gedanken. So käme er nicht weiter, er musste wohl seine Taktik ändern.
      „Weißt du was? Vor gut einem dreiviertel Jahr kamen Gerüchte über Lorcan auf. Gerüchte davon, dass er beinahe einen Kampf verloren hätte.“
      Li hob den Kopf leicht an, dass er durch die blonden Strähnen zu ihm hin schielen konnte. Gut, er hatte also Lis Aufmerksamkeit.
      „Und ebenfalls vor gut einem dreiviertel Jahr spürte ich“, hob er demonstrativ seine Hand mit dem Tattoo an, ballte diese zur Faust, präsentierte Li den Handrücken, „wie du lebensgefährlich im Kampf verletzt wurdest. Du hattest damals deinen Kampf gegen Lorcan, nicht?“
      „Ich... keine Ahnung...“, wieder senkte sich der Blick, „es war damals Herbst und die Temperaturen wurden gegen Abend bereits kälter... aber... ich weiß nicht, wie lange ich schon hier bei Mr. Haiming wohne...“
      „Wir haben mittlerweile Spätsommer, nicht mehr all zu lange und der neue Herbst kündigt sich an. Also kommt es hin, dass du bereits ein dreiviertel Jahr hier wohnst.“
      Li schwieg wieder.
      „Verstehst du es immer noch nicht?“, sprach Julius mit fester Stimme, „du hast es damals im Kampf fast geschafft Lorcan zu schlagen. Du hast ihn bereits einmal FAST besiegt! Es fehlte nicht mehr viel, um ihn komplett zu schlagen! Das heißt, wenn du nun noch etwas trainierst, um den kleinen Abstand, der zwischen euch war, verschwinden zu lassen – dann besiegst du ihn, Li! Das hat vor dir noch keiner geschafft! Und deswegen bist du auch unsere beste Chance, um Lorcan vom Thron zu stürzen.“
      Immer noch schwieg Li.
      Als Julius gerade ansetzen wollte, nochmal etwas zu sagen und ihn zu überzeugen, reagierte der Halbgolem endlich.
      „Du warst nicht dabei Ferres. Du hast nicht gesehen, wie er Attacke nach Attacke einfach so weg gesteckt hat. Der Mann... es war, als wäre ich ein Kind, das gegen einen Erwachsenen kämpft. Die Attacken beeinflussten ihn in keiner Weise. Er machte einfach weiter, als hätten sie nur gekitzelt!“, Li sah auf und ihn direkt an, „du sprichst davon, dass es Gerüchte gibt, dass Lorcan damals im Kampf fast besiegt worden wäre. Aber wie du sagst: Es sind nur Gerüchte! Gerüchte entstehen schnell und oftmals haben sie nicht einmal einen Funken Wahrheit in sich! Ich jedenfalls habe schon lange aufgehört dem Gerede von irgendwelchen Leuten zu glauben.“
      Er dachte daran, wie die Raider ihm sagten, wie toll sie seine Raids fanden und wie klasse sie ihn als Leader fanden... - nur um festzustellen, dass es alles gelogen war und sie dies nur gesagt hatten, damit sie weiter bei ihm Wins holen konnten.
      „Und du solltest das auch nicht tun. Du wirst dabei nur enttäuscht werden, wenn du feststellst, dass es nicht die Wahrheit war“, endete er seine Rede.
      Julius sah ihn an. Hmm... diese Worte schienen auf einer abermaligen Wunde zu beruhen..., was ihm aber klar machte, dass er Li nicht so einfach überzeugen konnte. Es brauchte wohl doch noch ein kleines bisschen mehr Zeit.
      „Niemand sagt, dass du dem Gerede irgendwelcher Leute glauben sollst. Du sollst lediglich den Fakten glauben. Lorcan wurde vor einem dreiviertel Jahr fast besiegt. Ebenfalls vor einem dreiviertel Jahr hattest du deinen Kampf mit Lorcan. Das wird wohl kaum ein Zufall sein.“
      „Was weiß ich?! Vielleicht hatte Lorcan direkt nach dem Kampf mit mir noch einen Kampf und so entstand dieses Gerede!“
      Julius sah in kühl und distanziert an, „höchst unwahrscheinlich“, dann seufzte er und wechselte das Thema. Es brachte nichts, wenn er dies bezüglich weiter auf Li einredete. Li war bereits jetzt schon defensiv geworden, weil er sich in die Enge getrieben fühlte. Noch mehr und der Mann würde vermutlich gar nicht mehr zuhören.
      „Nochmal zu der Sache mit Mr. Haiming...“
      Li sah ihn nun neugierig-interessiert an.
      „Bist du wirklich sicher, dass du dir keine andere Bleibe suchen willst?“
      Wieder änderte sich Lis Gesichtsausdruck zu Bedrückung und hilfloser Verzweiflung.
      „Wie ich dir schon sagte... wo soll ich denn sonst hin? Selbst WENN jemand anderes bereit wäre mich aufzunehmen... demjenigen wäre ich doch auch wieder eine Last und er würde genauso reagieren, wie sie hier reagieren.“
      „Aber das weißt du nicht mit Sicherheit. Vielleicht würden sie wo anders ja nicht so reagieren, sondern anders handeln.“
      Li ging nicht auf seinen Einwand ein. „Und abgesehen davon...“, zeigte er ein klägliches, kleines Lächeln, „wie ich dir schon sagte... jetzt wo ich die Prothesen habe, bin ich ihnen nicht mehr GANZ so eine Last und... und sie werden schon noch freundlicher werden und sehen, dass ich all die Zeit bemüht war ihnen KEINE Last zu sein und es wird sich zum Positiven hin wenden.“
      Julius sah Li abermals unergründlich an. Er wusste bereits jetzt was die Zukunft für Li bereit hielt. Li wäre aber nicht bereit zuzuhören – noch nicht. Es brauchte in der Tat noch etwas Zeit.
      „Nun gut...“, stand er vom Stuhl auf und ging Richtung Tür, „ich mach dir einen Vorschlag. Du behältst vorerst die Prothesen und übst mit ihnen umzugehen und wenn du mit ihnen klar kommst, sehen wir weiter, Li.“
      „Wieso nennst du mich ständig 'Li'?“, fragte der Blonde plötzlich, „mein Name ist 'Hina' und so möchte ich auch genannt werden, wie ich dir schon einmal gesagt habe. Ist es wegen des Alibis? Hier in diesem Zimmer ist weit und breit niemand außer uns. Und Rena und Guilia haben tagsüber anderes zu tun – die Gäste bedienen zum Beispiel - , als die ganze Zeit über hinter der Tür zu stehen und zu belauschen, was wir hier reden.“
      „Oh“, sah Julius ihn an, lächelte dabei selbstverständlich, „es ist nicht wegen des Alibis. Ich nenne dich 'Li', weil du Li bist.“
      Anschließend nahm er die Türklinke in die Hand, öffnete die Tür und schritt durch, schloss die Tür hinter sich wieder.
      Hina starrte die Tür an und war in diesem Moment mehr darüber sauer, dass Ferres ihm keine Gelegenheit gegeben hatte zu erwidern, als dass er ihn 'Li' nannte.
      Was sollte das bitte schön überhaupt heißen?! „Weil du Li bist.“ - Hah! Was ein Schwachsinn redete Ferres nur da schon wieder?! Er war Hina! HINA!
      Mistkerl! Das hatte er doch nur wieder gesagt, um ihn, Hina, zu reizen und aus keinem anderen Grund!
      Vor sich her grummelnd starrte Hina weiterhin die Tür an.

      Part 6, Teil 142: Ende

      edit:
      Ach ja, Ferres lässt überings ausrichten:
      "Hm? Einen Latte Macchiato? Miss Citty hat überings recht. Ich bevorzuge in der Tat Tee. Dennoch ist dies eine angenehme, überraschende Wendung, dass mir von der Leserschaft ein Getränk angeboten wird... - wenn man bedenkt, wie abgeneigt sie mir gegenüber vorher noch waren."
      Dann hat er gelächelt und gesagt:
      "Ich bedanke mich."
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      The post was edited 2 times, last by Hina_Sakamoto ().

    • Hina_Sakamoto wrote:

      edit:
      Ach ja, Ferres lässt überings ausrichten:
      "Hm? Einen Latte Macchiato? Miss Citty hat überings recht. Ich bevorzuge in der Tat Tee. Dennoch ist dies eine angenehme, überraschende Wendung, dass mir von der Leserschaft ein Getränk angeboten wird... - wenn man bedenkt, wie abgeneigt sie mir gegenüber vorher noch waren."
      Dann hat er gelächelt und gesagt:
      "Ich bedanke mich."
      Hust hust :D
      Wehe er verscherzt es sich jetzt wieder!
      Ich hoffe du steckst gerade voll im Schreibflow drin und weißt was du schreiben willst und wie du es schreiben willst!

      ~Season~ wrote:

      [20:09] <Season> Privatserver sind nichts anderes als gestohlenes Eigentum der Gameforge 4D + Entwell, Basta
      [20:09] <Season> entsprechend ist die Nutzung verboten
    • Sooo... und ab jetzt häng ich leider wieder fest, weil ich ein paar Sachen austüfteln muss, wie ich das am besten umsetze...


      Die nächsten zwei Tage ließen sich weder Ferres, noch Saiy blicken und Hina wurde wieder ausschließlich von Rena und Guilia betreut. Die beiden kümmerten sich, wie schon zuvor, um seinen täglichen Bedarf, aber sie halfen ihm nicht beim Üben mit den Prothesen.
      Einerseits hatte er dies gar nicht von ihnen erwartet oder vielmehr, er wäre wortwörtlich überrascht gewesen, hätten sie ihm Hilfe angeboten. (Hina wusste selbst, dass sie gar nicht die Zeit und vor allem nicht die Lust hatten ihm auch noch dabei zu helfen.)
      Andererseits aber hätte er sich sehr über diese Geste gefreut und er empfand es als einfach unlogisch – auch aus Renas und Guilias Perspektive. Wenn sie ihm helfen würden, würde er wesentlich schneller selbstständig sein, was hieße, dass sie sich ab dem Zeitpunkt dann gar nicht mehr oder nur im minimalsten Maße um ihn kümmern mussten.
      Kurz: Je schneller er mit den Prothesen umgehen konnte, desto schneller wäre er ihnen keine Last mehr. Und wenn sie ihm helfen würde, ginge es in der Tat wesentlich schneller den Umgang mit den Prothesen zu lernen. Deswegen verstand er es nicht ganz, warum sie ihm nicht halfen und für einige Tage die Mehrarbeit in Kauf nahmen – denn langfristig gesehen, hätten sie wesentlich mehr Nutzen davon.
      Er seufzte im Stillen, während er auf seinem Bett saß und mit ungeschickten Bewegungen versuchte das Messer und die Gabel zu bedienen und sein Mittagessen zu essen. Es brachte nichts, selbst wenn er es verstände, ändern würde er ihr Verhalten wohl trotzdem nicht können.
      Guilia saß auf dem Stuhl und starrte vor sich her. Sie wartete darauf, dass er möglichst schnell mit Essen fertig wäre, damit sie das Tablett wieder mitnehmen konnte.
      „Weißt du?“, plauderte sie mit einem gefakt fröhlichen Tonfall, „ich hab da so'n Kumpel... nen Kollege, weißt du? Und dem fehlt eine Hand. Er hat an der Stelle 'ne Prothese. Aber der stellt sich dermaßen dämlich an mit seiner Prothese... das kann man sich schon nicht mehr ansehen. Echt. Wenn du das sehen würdest, wie der alleine Besteck mit seiner Prothese bewegt... wie man so blöd sein kann und nicht mal Besteck mit einer Prothese benutzen kann, weiß ich nicht. Das ist mir echt ein totales Rätsel. Aber... ja... was will man machen... der Kumpel ist halt nicht der Hellste... ich mein, er kann ja nichts dafür, dass er so doof ist, aber...“
      Autsch..., abermals schmerzte es so sehr und wieder versuchte er es zu ignorieren, weil er einfach nicht wusste, wie er sonst reagieren sollte. Natürlich war ER damit gemeint, die vielen Parallelen, hatten es für ihn im Laufe der Zeit deutlich gemacht. Es war schließlich fast täglich vorgekommen, dass Guilia „plauderte“ und von irgendeiner dritten Person „erzählte“, welche aber in genau der gleichen Situation war in der er sich zu dem Zeitpunkt befand oder genau das gleiche machte, wie er... und sie davon erzählte, wie dämlich, doof, albern... wie negativ Guilia es fand.
      Wenn er sie direkt darauf anspräche, dass sie dies sein lassen sollte, dann wäre ihre Reaktion lediglich: „Was denn? Ich hab doch nur von 'nem Kollegen geredet. Was willst du überhaupt von mir? Du warst doch gar nicht gemeint.“
      Das hatte sie IMMER als plausible Erklärung und Ausrede parat... und deswegen konnte er sie nie direkt darauf ansprechen.
      Das war der Grund, - diese intrigante Art von Guilia - , war der Grund warum er sie NOCH weniger leiden konnte, als Rena.
      „Ja... und er braucht echt immer STUN-DEN bis er mal mit seinem Essen fertig ist“, 'plauderte' Guilia weiter, „ist echt total nervig. Glaub mal. Aber ja... was will man machen... ist halt nur total blöd, wenn seine Mitmenschen dann immer auf ihn warten müssen bis er fertig ist... so beim gemeinsamen Essen und so...“
      Schließlich verfiel sie ins Schweigen und Hina bemühte sich mit einem bedrückenden Gefühl, dem Gefühl, dass sie ihn abermals erfolgreich verletzt hatte und er abermals eine Last war – ein Versager – die letzten Bissen schnellst möglich zu essen.
      Er legte das Besteck auf dem Teller ab.
      „Ich bin fertig“, murmelte er, hatte abermals seinen Blick auf seinen Schoss – und das Tablett – gerichtet. Sah auch nicht auf, als sie das Tablett nahm und mit einem „Wurd auch Zeit.“ das Zimmer verließ. Er hörte nur, wie die Tür ins Schloss fiel.
      Seine Narbe stach kurz und er zuckte zusammen. Doch viel mehr, als die Narbe, schmerzte es emotional.
      Er blickte auf seine Handprothesen. Er konnte ja nicht einmal mit Messer und Gabel umgehen. Wie sollte er da dann kämpfen können? Geschweige denn Lorcan besiegen.
      Wenn er ja sogar zu blöd – zu dumm und unfähig – war, um Messer und Gabel zu benutzen... er brauchte schließlich TATSÄCHLICH lange. Das konnte er nicht abstreiten. Selbst Kinder und alte Leute aßen schneller, als er... wenn er gefüttert worden wäre, wäre es dreimal schneller gegangen...
      Er war wirklich ein absoluter Nichtsnutz, ein Versager.
      Hina umschlang seine angewinkelten Knie mit seinen Armen, vergrub sein Gesicht in seinen Armen.
      Ferres und Saiy – vor allem Saiy – wollten, dass er kämpfte? Wie das, wenn er nicht einmal mit Messer und Gabel essen konnte?
      Wieder spürte er den tiefen Schmerz, die Trauer, die Verzweiflung und das Gefühl des Versagens und er fing wieder an zu weinen.


      Part 6, Teil 143: Ende
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    • hmm langsam schleicht sich bei mir die Vermutung ein das Ferres nicht mehr das größte arsch von nostale ist...

      Aber in einer hinsicht hat er recht er ist nicht hina so wie er sich aufführt (in etwa wie damals auf dem Anwesen von sanmoto)

      Bin mal gespannt wann und wie er aus seinen depri Phasen raus kommt und noch wichtiger wie er sich wieder mit saiy versöhnt
      Wer fehler findet darf sie gerne Behalten ^^
    • Irgendwann versiegten seinen Tränen und er wischte sich mit den Unterarmen über die Wangen und die Augen, um die Tränenspuren zu beseitigen. Abermals starrte er auf seine Prothesen und er konnte Ferres Stimme in seinen Gedanken hören: „Na, das ist doch schon mal was.“
      Ferres hatte recht. Zumindest WAR er mittlerweile in der Lage mit Messer und Gabel zu essen... auch wenn es lange dauerte. Das war wenigstens etwas. Etwas positives, worüber er sich freuen sollte – auch wenn es Guilia und Rena immer noch nicht schnell genug ging und sie seinen Fortschritt nicht sahen oder sehen wollten. Aber nichts desto trotz WAR es Fortschritt... und... und mit noch ein kleines bisschen mehr Zeit wäre er ihnen gar keine Last mehr und sie hätten keinen Grund mehr, um ihn anzuraunzen.
      Wie hatte Saiy gesagt? Er durfte nicht aufgeben? Ja. Ja... er durfte nicht aufgeben. Nur noch ein kleines bisschen, nur noch wenige Tage... vielleicht ein-zwei Wochen... nur noch ein bisschen musste er sich durchbeißen, dann wäre es vorbei und es würde sich zum Positiven hin verändern. Er wollte nicht einmal mehr ihren Respekt. Es würde ihm schon genügen, wenn sie mit ihren Kommentaren und Vorwürfen aufhörten. Das wäre schon positiv genug für ihn.
      Am nächsten Tag wurde er von einem der Gäste zu den Duschen getragen, wo Rena ihm, wie üblich, half sich zu duschen. Und wie üblich machte sie ihm abermals Vorwürfe.
      „Wenn du schon Prothesen hast, dann lern gefälligst mit ihnen umzugehen!“, meckerte sie, „ist ja super, dass du Prothesen hast. Bringt nur nichts, wenn du dich immer noch nicht alleine waschen kannst! Wieso hast du überhaupt Prothesen, wenn du ohnehin nicht mit ihnen umgehen kannst und die Arbeit an uns hängen bleibt?!“
      Hina schwieg, er dachte daran, dass es nicht sonderlich gut war, wenn die Prothesen nass wurden, da dann die alchemistischen Sensoren Schaden nehmen konnten und er hätte dann nicht mehr die Mobilität, die er derzeit mit den Prothesen hatte. Doch, wie immer wusste er, dass – sollte er dies laut sagen – Rena nur etwas anderes bzgl. der Prothesen fände, weswegen sie ihm einen Vorwurf machen konnte.
      „Ich... ich übe täglich mit den Prothesen und bin auch besser darin geworden mit ihnen umzugehen“, wagte er jedoch dies bezüglich einen kleinen Einwand, in der Hoffnung, dass er ihr deutlich machen konnte, DASS er Fortschritte gemacht hatte.
      Ihre Antwort kam prompt:
      „Ja, aber in welchem Tempo! Wie lange hast du die Prothesen nun schon? Eine Woche? Und da kannst du immer noch nicht richtig mit ihnen umgehen? Du bist echt viel zu langsam! Jeder andere hätte innerhalb von zwei Tagen raus, wie er mit Prothesen umzugehen hat!“
      Innerlich zuckte er abermals schmerzhaft zusammen. Auch hier hatte er seine Gründe, warum er 'so lange' brauchte... zum Beispiel, weil er sie nur 2-3 Stunden tragen konnte und um die Zeit zu verlängern, die er sie AM TAG tragen konnte, machte er immer wieder Pausen, wo er sie abnahm... doch... , er seufzte gedanklich. Es brachte ja alles nichts... er konnte Einwände bringen und argumentieren, erklären, erläutern... versuchen Verständnis für seine Situation zu wecken (ER Verstand ja auch, warum SIE so gereizt war und ihm ständig Vorwürfe machte und bemühte sich ihre Situation zu berücksichtigen, daher hoffte er auf das gleiche Verständnis und die Rücksicht von ihrer Seite her)... doch... scheinbar war das vergebene Liebesmüh...
      Er würde wohl erst ein Resultat erzielen, erst eine Änderung in ihrem Verhalten sehen, wenn er wirklich sichtbare Fortschritte machte, so dass sie diese wirklich SAH – zum Beispiel in dem er die Treppe alleine runter gehen konnte und im Gastraum essen konnte, so dass sie nicht mehr ständig das Essen zu ihm hochbringen mussten.
      Nur noch ein bisschen mehr... nur noch ein paar Tage mehr...

      Wenige Tage später war es endlich so weit. Er war sich sicher, dass er die ganze Treppe vom Rundgang bis runter zum Hauptraum alleine bewältigen konnte. Also ging er früh Morgens um 8 Uhr, wo die Frühstückszeit eröffnet war, die Treppe langsam, Schritt für Schritt herab.
      Er hatte extra 8 Uhr morgens gewählt, weil um diese Uhrzeit erst sehr wenig Gäste auf waren und es somit möglichst wenig Leute gab, die ihn zu Gesicht bekommen würden (etwas, was schließlich nicht wirklich gewünscht war – dass jemand der Gäste ihn zu Gesicht bekam).
      Rena und Mr. Haiming waren schon hinter der Theke und Mrs. Eve mit Guilia bereits in der Küche.
      Er schritt auf die beiden hinter der Theke zu, welche anderweitig beschäftigt zu sein schienen und sein Auftauchen scheinbar nicht bemerkt hatten.
      Als er vor der Theke stand, wandten sie sich zu ihm um.
      „Guten Morgen“, grüßte er, „ich dachte mir, da ich jetzt in der Lage bin die Treppe zu gehen, braucht mir Guilia nicht mehr das Essen ins Zimmer bringen.“
      „Guten Morgen“, grüßte Mr. Haiming freundlich zurück, „gut, dann setz dich da hin und Rena holt dir eben dein Frühstück.“
      Kein „Gratuliere zu diesem Erfolg.“, kein „Schön zu sehen, dass du nun sogar die Treppe gehen kannst.“ - nichts.
      Statt dessen einfach nur ein simples darüber hinweg gehen, als war es selbstverständlich – ja sogar gefordert – dass, er die Treppe alleine gehen konnte. Wieder seufzte Hina gedanklich. Vielleicht war er einfach zu empfindlich und vielleicht war es ja sogar wirklich selbstverständlich, dass er die Treppe gehen konnte. ...auch wenn er sich über ein kleines Lob oder eine kleine Gratulation gefreut hätte.




      Part 6, Teil 144: Ende
      Viel Spaß beim Lesen meiner Nostale-Geschichte =)
      Geschichte Zweiklassen Trennung

      Einige Menschen schwimmen mit dem Strom,
      andere Menschen schwimmen gegen den Strom,
      - ich steh im Wald und finde den doofen Fluss nicht.


      Vielen Dank an Dark~Rose~Moné für den Avatar
    • He..he... ist irgendwie mit kleinen Kindern... "Guck mal Papa,..[erzählt von Erfolgen]..." und dann kommt nur was Simples zurück :oO: (schlechter Zeitpunkt oder Desinteresse)

      Wie es nun weiter geht, nicht dass die beim Anblick des benutzen eines Messers die Leute kränkt. Vielleicht verstehen sie Hinas Situation besser :D


      Stolze Schwertkämpferin
    • Er setzte sich an den Tisch, den Haiming angezeigt hatte und wartete darauf, dass Rena ihm sein Frühstück brachte. Auch wenn er ein kleines bisschen enttäuscht war, dass er keine positive Rückmeldung zu seinem Erfolg bekommen hatte, so war er dennoch zufrieden und freute sich. Er freute sich darüber, dass sie – Rena, Guilia und Co. - nun keinen Grund mehr hatten ihm Vorwürfe zu machen, da er NUN endlich KEINE Last mehr war.
      Bald darauf kam Rena mit dem Tablett zu ihm an den Tisch und er blickte vergnügt auf das Essen, bereit es mit seinen Handprothesen aufzunehmen (etwas, worin er AUCH in den letzten Tagen viel besser geworden war) und alleine zu essen.
      „Kannst du mir mal sagen, was du hier machst?!“, fauchte sie ihn an.
      Was...? Wieso...? Wieso war sie so wütend?
      „Kommst hier einfach runter mit deinen Prothesen, wenn du nicht einmal vernünftig mit ihnen umgehen kannst! Was soll das?!“
      Diesmal blieb Hina standhaft. Er hatte nichts falsches getan, im Gegenteil ihnen sogar geholfen in dem sie ihm nicht extra das Essen ins Zimmer bringen mussten UND er hatte darauf geachtet zu einer Zeit herunter zu kommen, wo wenig Gäste da waren.
      „Ich bin deswegen hier, damit du oder Guilia nicht extra das Essen ins Zimmer bringen müsst“, erklärte er mit fester Stimme, „und auch wäre ich nicht hier runter gekommen, wenn ich nicht sicher gewesen wäre, dass ich die Treppe bewältigen kann.“
      „Meinst du etwa, wie du dich am Geländer festgehalten hast und eine Stufe nach der anderen genommen hast?!“
      Sie wusste also ganz genau, worauf er sich bezogen hatte und gab demnach auch indirekt zu, dass sie mitangesehen hatte, wie er die Treppe alleine herab kam und somit, DASS er in der Lage war mit den Prothesen umzugehen.
      „Ja, das meine ich.“
      Er war zwar langsam und noch etwas vorsichtig die Treppe herab gestiegen, aber er hatte es alleine bewältigt.
      Mit seinen Worten und seinem Handeln hatte er ihr eindeutig den Wind aus den Segeln genommen, denn sie schwieg nun und starrte grübelnd vor sich her. Sie wusste offensichtlich nicht, was sie sonst noch daran meckern konnte, dass er die Treppe mit den Prothesen herabgekommen war.
      Hina freute sich innerlich. Er hatte ihr nun endlich bewiesen, dass er keine Last war. Jetzt war der Moment endlich da, wo sich seine Situation zum Positiven hin veränderte.
      „Und wieso bist du im Nachthemd hier?!“, fauchte sie weiter, sah ihn wieder an „das auch noch im Gastraum, wo dich jeder sehen kann?! Das ist ja wohl das Letzte! Ist dir überhaupt klar, wie das für Mr. Haiming wirkt, wenn du hier im Nachthemd einfach runter kommst?! Was seine Gäste dazu sagen werden?!“
      Es war als hätte jemand einen Eimer Eiswasser über ihn ausgekippt.
      Mit einem Schlag verstand er.
      Sie suchen nach Fehlern“, schoss es ihm durch den Kopf, „sie suchen nach Dingen, die sie an mir aussetzen können.“
      Und er begriff, dass sich seine Situation nie ändern würde. Er konnte machen was er wollte – sie würden immer irgendetwas neues finden, weswegen sie ihn anmeckern konnte, denn sie wollten etwas finden!
      Mit aller Selbstbeherrschung, die er aufbringen konnte, schob er sein Essen zur Seite und wand sich zu Rena.
      „Ich verstehe. Ich werde nach oben gehen in mein Zimmer.“
      „Ne!“, motzte sie weiter, „jetzt kannst du auch gefälligst dein Essen essen!“
      Er nickte nur, aß still einen Teil seines Frühstücks (Rena verließ wieder seinen Tisch und fing an sich um anderes zu kümmern.) und ließ bewusst seine Haare nach vorne über die Schultern fallen, um so einige vereinzelte Tränen zu verbergen.
      Anschließend stand er auf, ging die Treppe still hoch, den Rundgang entlang in sein Zimmer. Die ganze Zeit über liefen ihm nur ab und an vereinzelt eine Träne über seine Wangen, die er bewusst nicht wegwischte, um keine Aufmerksamkeit darauf zu lenken.
      Kaum hatte er sein Zimmer betreten und sich aufs Bett gesetzt, zerfiel seine Selbstbeherrschung in tausend kleine Stückchen und er heulte Rotz und Wasser.
      Diese Erkenntnis..., dass sie sogar nach Fehlern suchten... schmerzte mehr noch, als das Wissen, dass sie ihn hier nur aus einem halbgaren Samariterkomplex duldeten. Ihm war nun endlich klar geworden, dass er sich noch so sehr bemühen konnte ihnen keine Last zu sein und ihnen so wenig Umstände, wie möglich zu bereiten – sie würden immer etwas neues finden, um ihm einen Vorwurf machen zu können, weil sie etwas finden wollten.
      Sie wollten ihm Vorwürfe machen können! Sie wollten Gründe finden, um ihn anzumeckern!
      Es schmerzte, es schmerzte fürchterlich.
      Hina saß noch über eine Stunde da und weinte sich die Augen aus.
      Doch waren es diesmal nicht nur Tränen des Schmerzes, sondern auch – ohne, dass sich Hina darüber bewusst war – Tränen der Heilung.

      „Und du willst also, dass ich dir eine andere Unterkunft suche?“, fragte Ferres und sah Hina dabei direkt an.
      Ferres stand im Raum und Hina saß ihm gegenüber auf dem Bett.
      „Ja!“, antwortete Hina mit ernster Stimme und festem Blick, „ich will hier nicht länger wohnen! Auf keinen Fall, will ich hier länger wohnen!“
      Ferres lächelte in Gedanken. Solche Augen... solche Augen hatte er schon lange nicht mehr von Sakamoto gesehen. Es waren Augen in denen Willensstärke und Kampfgeist lag. Es war endlich soweit, Li war vollständig 'erwacht'.
      Er nickte simpel, seine Zustimmung signalisierend.
      „Du scheinst nicht überrascht zu sein?“, blinzelte Li verwundert.
      „Ich hatte es erwartet.“
      Diesmal zog Li sogar seine Stirn in verwunderte und etwas skeptische Falten. „Du hast erwartet, dass ich dich ansprechen werde, du sollst mir eine neue Bleibe suchen?“
      „Ja. Mir war bereits seit meinem letzten Besuch klar, dass es definitiv darauf hinaus laufen würde.“
      Li schwieg, sah aber nach wie vor etwas skeptisch-irritiert drein. Wahrscheinlich konnte er es nicht ganz glauben, dass er, Julius, diese 'Vorhersage' gemacht hatte.
      Aber es stimmte, bereits beim letzten Gespräch, was sie hatten, war ihm klar gewesen, dass Lis Hoffnungen unnütz waren. Die anderen in der Gaststätte würden sich ihm gegenüber irgendwann positiver verhalten? Nein, das würden sie nicht – ganz egal, was Li anstellte oder wie er sich verhielt.
      Er kannte diese Sorte Mensch nur zu gut von ein paar seiner eigenen Geschäftspartnern und... so ungern er es zugab, zum Teil auch aus seiner eigenen Vergangenheit.
      Sie würden nicht aufhören auf Li einzuprügeln, weil sie jemanden brauchten an dem sie ihren Frust und ihre eigenen Unzulänglichkeiten, ihre eigenen Fehler, abbauen konnten. So lange es noch jemanden gab, der NOCH schlechter dran war, als man selbst... so lange war die EIGENE Situation schließlich nicht ganz so schlimm.
      Lis Hoffnungen sie würden sich ändern waren nichts anderes, als Tagträumerei.
      Doch hatte Li die Erfahrung dies bezüglich selbst machen müssen, das war Julius bereits zu jenem Zeitpunkt bewusst gewesen.
      Li war nicht bereit zuzuhören – ganz egal, was er versuchte ihm zu vermitteln. Also blieb nur die andere Alternative: Li musste es selbst erleben.
      Also hatte er ihm unter dem Vorwand, dass Li noch weiter mit den Prothesen üben solle, Zeit gegeben die Erfahrung zu machen und zu der Erkenntnis selbst zu gelangen.
      „Ich hab bereits mit Mr. Haiming geredet“, fuhr Julius fort, „es ist alles geklärt. Du kannst bereits heute noch in ein anderes Hotel umziehen. Dort kannst du ein paar Tage bleiben bis ich dir eine neue Wohnung besorgt habe.“
      Sichtbar überrumpelt sah Li ihn an. „Wann hast du denn mit Mr. Haiming geredet? Und wieso bist du auch noch so großzügig und willst mir eine Wohnung suchen? Was springt für dich dabei raus?“
      „Oh, ganz so großzügig bin ich nicht. Selbstverständlich wirst du für die Miete der Wohnung selbst aufkommen müssen“, erwiderte er, „ich verschaffe dir mit der Wohnung lediglich die Möglichkeit auch langfristig von hier“, sah er sich im Raum um, „wegzukommen.“
      Hina nickte. Das machte Sinn. Wenn er hier noch länger wäre, so wusste er einfach, dass er kaputt gehen würde. Oder vielmehr... er war sich relativ sicher, dass er auch noch etwas länger hier aushalten konnte, doch... war er sich keines Wegs sicher in welchem mentalen Zustand er dann für den Rest seines Lebens wäre... welchen 'Knacks' er dann weg hätte. Es war DEFINITIV besser, so schnell, wie nur möglich hier rauszukommen.
      „Da das geklärt ist, werde ich nun mit Mr. Haiming reden und ihn informieren, dass du nicht länger hier wohnen wirst“, wand sich Julius zur Tür, nahm die Klinke in die Hand und drehte noch einmal seinen Kopf zu Li hin, „ach ja! Und wann ich mit Mr. Haiming geredet habe? Bereits an dem Tag an dem du deine Konfrontation mit der jungen Angestellten hattest.“
      Hina konnte nicht anders, als Ferres baff anzustarrten.
      WAS?!
      SO lange hatte er bereits alles, was nachher passiert war 'vorher gesehen'?!?!

      Julius schaute noch einmal in Lis Gesicht, nachdem er seinen Satz beendet hatte und verließ dann amüsiert das Zimmer. Draußen auf dem Rundgang lachte er amüsiert und herzhaft auf. Lis baffes Gesicht war einfach zu komisch gewesen.

      Part 6, Teil 145: Ende
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      The post was edited 3 times, last by Hina_Sakamoto ().

    • /me grübelt

      Wie soll er denn Gold für die Miete rankriegen ... o.o
      Mach aus Hina bloß keinen Bettler, er kann laufen (er übt vielleicht noch andere diverse Sachen mit den Prothese umzugehen - denke ich, nein es MUSS einfach sein)


      Stolze Schwertkämpferin
    • Kovalsky erblickt Hina, wie er am Straßenrand sitzt, mit einem Becher in der Hand. Er nähert sich ihm und schnippt eine münze in den Becher. "Ey, ich wollte die Latte noch trinken!"

      /me wird plötzlich ganz rot im Gesicht und versteckt sich hinter einer neuen Tasse Latte

      ~Season~ wrote:

      [20:09] <Season> Privatserver sind nichts anderes als gestohlenes Eigentum der Gameforge 4D + Entwell, Basta
      [20:09] <Season> entsprechend ist die Nutzung verboten
    • haha kovalsky der war gut XD

      sone Menschen die bei anderen Fehler suchen "liebe" ich ja (so sehr das ich ab und zu aufpassen muss das die Wand keine alzu grosse Löcher bekommt *hust*)

      Und was Ferres angeht 3 schritte im vorraus denken kann er ja (ab und zu) aber wie er das mit der Miete machen will darauf bin ich ja mal echt gespannt

      Und nochmehr bin ich drauf gespannt wann Saiy sich beruhigt hat
      Wer fehler findet darf sie gerne Behalten ^^
    • Bloodwork schielte rüber zur anderen Straßenseite, an der ein jungaussehender Bettler sich mit einem älteren Buschschwänzchen gegen eine Hauswand lehnte. Er durchsuchte seine Taschen doch fand nichts Brauchbares ,was er dem Bettler hätte geben können. Erst im hintersten Eck stieß er dann doch auf einen länglichen Gegenstand - die pinke Haarfarbe, die er vor Wochen in der Nosmall-Lotterie gewonnen hatte. Er selbst hatte keine Verwendung dafür, doch der Bettler könnte sie verkaufen um mit dem Gold einen warmen Mantel zu kaufen. Schließlich stand der Herbst vor der Tür und bald auch der Winter.
      Bloodwork packte den Gegenstand fest in die Hand und schmiss ihn rüber auf die andere Straßenseite. Unglücklicherweise traf er das Buschschwänzchen am Kopf, welches davor noch mit seinem Blick einen der letzten Feuerfalter jagte. Impulsiv fauchte es um sich. Um den kleinen Fratz zu beruhigen kraulte der Bettler es mit seinen Prothesen vorsichtig am Kopf - so gut wie es ging. Überrascht von dem ungewollten Ereignis machte sich Bloodwork flugs unsichtbar und verschwand in einer kleinen Gasse.


      Kovalsky hat mich mit seiner kleinen Geschichte angesteckt, ich hoffe dir geht es auch so :P

      *ein paar Glückskekse hinleg* ^^

      Rosen sind Rot

      Kekse sind lecker *~*

      Koaxialverbindungsstecker~
    • Weiteres wird dauern. Ich hab die nächsten Tage keine Zeit zum Schreiben.



      Hina stand in der Küche seiner neuen Wohnung und bereitete sich gerade einen Latte Macchiato zu.
      Seine Wohnung war, wie seine alte, eine 2-Zimmer-Wohnung inklusive Küche und Bad und war im Cuby Pfad gelegen. Die Wohnung selbst war glücklicherweise bereits möbliert gewesen. Das Einzige, was er bzw. Saiy ersetzt hatte, war das Bett im Schlafzimmer. Sie hatte ein breiteres, neues Doppelbett besorgt. Denn auch wenn er selbst offiziell als Mieter eingetragen war, so wohnte Saiy vorläufig mit bei ihm, um ihm bei der Miete zu helfen (deswegen das breite Doppelbett) – zumindest so lange bis er wirklich alleine klar käme.
      Er lächelte glücklich, als er den Latte Macchiato in die Hand nahm und zum rechteckigen Küchentisch, der in der Mitte der Küche stand, ging und sich dort auf einen der Stühle setzte.
      Er stellte das Glas auf den Tisch ab und rührte mit dem Löffel gedankenverloren im Glas herum. Er konnte das erste Mal seit langem, seit zig MONATEN, sagen, dass er wirklich glücklich war. Es tat so gut hier im Cuby Pfad zu wohnen und nicht mehr in der Gaststätte. Es tat so gut nicht mehr ständig dem gleichgültigen Verhalten Mr. Haimings, der falschen Freundlichkeit Mrs. Eves, sowie den Vorwürfen Renas und den Intrigen Guilias ausgesetzt zu sein. Es tat so überaus, überaus gut.
      Hmm..., so überlegte er, es war weniger ein Gefühl des „Glücks“ was er empfand, sondern mehr das Gefühl von Befreiung. Er fühlte sich, als ob er endlich wieder frei atmen konnte und in diesem Zusammenhang war es eine Form von „Glück“, was er empfand. Auch wenn es kein „glücklich sein“ im herkömmlichen Sinne war.
      Und er war froh und dankbar Julius und Saiy gegenüber. Froh, dass Julius so schnell eine neue Wohnung für ihn gefunden hatte und froh Saiy gegenüber, dass sie derzeit für seine Kosten, wie Miete, Lebensmittel, Kleidung etc. aufkam.
      Er war beiden so dankbar, so überaus dankbar. Ohne ihre Hilfe... er war sich sicher, dass er nach noch einigen weiteren Wochen bei Mr. Haiming zu einem mentalen Wrack geworden wäre. Ein irreparables Wrack, was nicht mehr heilen konnte und auf ewig ein Schatten seiner Selbst war – ein gebrochener Mann, der stets Angst hatte etwas falsch zu machen, stets mit gesenktem Blick zu sehen war, der stets nur leise murmelte, wenn man ihn ansprach, weil er wusste, dass ihm nicht zustand in irgendeiner Form aufzubegehren, dem daher auch nicht zustand seine Stimme zu erheben. Ein Mann, der wusste, dass er dankbar und glücklich zu sein hatte, wenn man ihm in irgendeiner Form „Güte“ zukommen ließ – denn mehr als zu sprichwörtlichen „Brotkrumen“ war er nicht wert, der bereits ängstlich zusammen zuckte, wenn jemand anderes den Raum betrat in dem er war oder wenn jemand ihn nur anblickte – weil er befürchtete, dass er wieder etwas falsch gemacht hatte und wieder Prügel bekam.
      Hina war so überaus froh und erleichtert, dass es nicht so weit gekommen war. Er wusste, dass er – dank Ferres – rechtzeitig die Notbremse gezogen hatte und er von seinen tiefen Wunden heilen würde. Wenn Ferres und Saiy nicht aufgetaucht wären und ihm beigestanden hätten... er wollte gar nicht dran denken.
      Wenn man vom Teufel sprach... - in genau dem Moment betrat Saiy, gekleidet in ihrer Schlafwäsche (einem T-Shirt und Shorts), die Küche, eindeutig noch verschlafen und gähnte lautstark, streckte sich dabei, rieb sich dann mit der Hand den Schlaf aus einem Auge. „Morgen“, ertönte es verschlafen.
      Hina lächelte. „Morgen, willst du auch einen Latte? Oder Kaffee? Du siehst aus, als ob du was koffeinhaltiges vertragen könntest.“
      „Ja, bitte. Einen Cappuccino“, kam es immer noch verschlafen, dann setzte sie sich auf den Stuhl ihm gegenüber.
      „Kommt sofort“, antwortete er gut gelaunt, stand auf und stellte den Kaffeevollautomat auf 'Cappuccino', stellte eine Tasse unter die Ausgabe und drückte auf 'Start'.
      „Du kannst mittlerweile erstaunlich gut mit den Prothesen umgehen“, hörte er hinter sich.
      Er drehte sich zu ihr um, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Arbeitsplatte. „Ja, es geht mittlerweile um einiges einfacher. So langsam hab ich mich dran gewöhnt.“
      „Freut mich“, lächelte sie und ihre Augen strahlten, eindeutig freute sie sich gerade wirklich für ihn.
      Hina ließ seinen Blick kurz über Saiy gleiten, als ihm – wie schon die letzten Tage – wieder das Gleiche auffiel. Er beschloss sie diesmal zu fragen.
      „Seit wann trägst du eigentlich zum Schlafen ein T-Shirt und Shorts?“, schaute er verwundert.
      Früher hatte sie immer einen richtigen Schlafanzug getragen.
      Saiy blinzelte überrascht und schaute dann etwas verlegen drein. „Ah... das... also...“, zögerte sie, sah zur Seite, „das ist bereits seit einigen Jahren so. Seit dem deine Reisen immer länger wurden. Ich... ich wollte etwas haben, damit ich Li nicht vergesse und womit ich mich dir näher fühlen konnte.“
      Es war an ihm überrascht zu blinzeln. Dann schaute er warm und lächelte amüsiert. „Und deswegen hast du meine Schlafwäsche kopiert?“
      Sie schaute wieder verlegen weg, diesmal auf den Tisch und nickte nur. „Hm.“

      Part 6, Teil 146: Ende
      Viel Spaß beim Lesen meiner Nostale-Geschichte =)
      Geschichte Zweiklassen Trennung

      Einige Menschen schwimmen mit dem Strom,
      andere Menschen schwimmen gegen den Strom,
      - ich steh im Wald und finde den doofen Fluss nicht.


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