Roven

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    • Roven ist eine neue Aufmachung einer meiner ersten längeren Geschichten die ich damals in meiner Jugend geschrieben habe. Obwohl mir das Grundszenario und die Charaktere gefielen, wurde die Geschichte recht chaotisch zum Ende hin. Rückblickend gefällt mir vieles nicht mehr daran und sie sieht sehr amateurhaft aus. Aber es war wie gesagt eine meiner ersten kreationen. Ich habe im Laufe der Zeit immer wieder versucht die Geschichte umzuschreiben und neuaufzusetsen, war aber nie mit dem Ergebnis zufrieden. Trotzdem nagte das Setting immer wieder an mir, da es zu gut war um es zu ignorieren.
      Dies ist mein finaler Versuch das ganze in eine ordentliche Form zu bringen. Viele Charaktere von damals wurden umbenannt oder entfernt, aber zentrale Charaktere blieben erhalten, möglicherweise in etwas veränderter Form.
      Was jetzt folgt sind genauere Einzelheiten über die Welt. Vieles davon wird in der eigentlichen Geschichte erklärt und wer dieses ganze Vorwort lieber aus Spoilergründen überspringen möchte, sollte auf das erste Kapitel warten.

      Die Welt von Roven ist sehr komplex und groß. Die Geschichte spielt auf der gleichnamigen Insel Roven welche etwa halb so groß wie Australien ist (ca. 3,5 Millionen km²).
      Es handelt sich hierbei um eine Fantasywelt mit technologischem Fortschritt, wobei viele technologien durch den Einsatz von Magie ermöglicht wurden, etwa Cryogefängnisse, Hochsicherheitsgefängnisse in denen man besonders gefährliche Gefangene einfach durch Magie einfriert und sie so unschädlich macht.
      Die Regierung des Landes setzt sich aus 12 Magiern, dem innseren Zirkel, zusammen, die die absolute Macht tragen. Ihre Machtposition rechtfertigen sie durch ihre mächtigen Kenntnisse über Magie. Einen Regierungsmagier herauszufordern ist meist eine dumme Idee und endet oft mit dem Tod des Herausforderers.
      Einige Anatomiekenntnisse in Roven funktionieren anders als bei uns. Jedes Lebewesen in Roven besitzt zwei Körperenergien, die es durchdringen. Das erste ist Vita, die Lebensenergie. Vita verhält sich ähnlich unserem Blut, es durchströmt den ganzen Körper und ist lebenswichtig. Hat ein Lebewesen kein Vita mehr, stirbt es. Eine hohe Menge an Vita kann hingegen die Person antreiben und ihre körperlichen Fähigkeiten verbessern. Vita reproduziert sich im Laufe der Zeit, bei manchen Lebewesen mehr als bei anderen, allerdings baut der Körper es auch ab (er nutzt Vita, um verschiedene Körperfunktionen zu betreiben), weshalb Vita sich im Gleichgewicht hält. Mit der Zeit verliert man jedoch immer mehr die Fähigkeit Vita zu reproduzieren bis sie irgendwann ganz erlischt, weshalb Lebewesen an Altersschwäche sterben, wenn sich ihr Vita komplett abgebaut hat.
      Neben Vita gibt es noch Mana. Mana ist eine magische Energie. Es trägt eine ähnliche Aufgabe wie unser Immunsystem und bekämpft Krankheitserreger im Körper. Ein Levbewesen mit viel Mana könnte daher seine gesamte Existenz niemals krank werden, während hingegen Lebewesen ohne Mana ein Wrack sind und unter Krankheiten leiden. Man kann jedoch ohne Mana überleben solange man die Krankheiten ausreichend bekämpft. Mana regeneriert sich außerdem nur, wenn es verbraucht wurde, bauts ich dafür auch nie ab (da es nicht für Körperfunktionen genutzt wird). Mana ist außerdem so energierreich, dass man es kanalisieren kann, um magische Fähigkeiten einzusetzen.
      Magie ist sehr komplex und schwierig, einfache Zauberformeln kann sich theoretisch jeder beibringen, aber wahre Magie zu vollführen ist extrem schwer. Das liegt daran, dass Magie auf Formeln, Zeichen und anderen Methoden basiert, es ist eine eigene Wissenschaft. Magier müssen sich extrem viele und komplexe zauberformeln merken und diese bei Bedarf fehlerfrei abrufen können, da ihr Zauber sonst versagt. Aus diesem rund ist der innere Zirkel auch ungeschlagen, sie besitzen ein viel breiteres Wissen über Magie als sonst eine Person auf der Welt.
      Obwohl Magie aus Gedächtnisgründen den meisten Leuten weitgehend verschlossen bleibt, kann man durch magische Runenzeichen die am Körper oder auf Objekte angebracht werden, ebenfalls leichte Zaubersprüche wirkeln. Dazu muss die Person nur die entsprechenden zeichen berühren und sein Mana auf die Stelle konzentrieren. Da Objekte kein eigenes Mana besitzen, ist es schwerer Runenzeichen für sie anzufertigen, mist werden sie daher mit Mana angereichert um den Vorgang zu erleichtern.
      Die Währung in Roven ist Manageld. Der innere Zirkel hat zu diesem Zweck Münzen mit Mana prägen lassen, da Mana extrem kostbar für sie ist. Die Münzen selbst besitzen keine Zeichen die ihren wert angeben, stattdessen wird der Wert des Geldes alleine durch das enthaltene Mana bestimmt. Leute können in Banken gegen eine Gebühr ihr eigenes Mana in Manageld prägen lassen, die genaue Zauberformel dafür wird aber so gut unter Verschluss gehalten, dass niemand Geldfälscherei betreiben kann.
      Wer kein Geld mehr besitzt, kann auch direkt mit Mana handeln, muss aber auch mit den resultierenden Konsequenzen (anfälliger für Krankheiten, weniger magische Kraft) leben. Steuern werden ebenfalls in Mana berechnet, entweder durch Manageld oder durch direkte Manatransfusion. Obwohl die Erschaffung des Manageldes zuerst die Manavorräte des inneren Zirkels schwächte, ist es auf Dauer lohnenswerter für sie gewesen, da sie sämtliches Mana durch Steuern wieder einnehmen. Durch diese Strategie konnten sie sich weiter ihre Unantastbarkeit sichern.
      Auf manchen Schwarzmärkten wird auch mit Vita gehandelt, falls man wenig oder gar kein mana zur Verfügung hat. Dieser Handel ist offiziell verboten da mit Vita zu handeln bedeutet dass man sein eigenes Leben verkauft.
      Roven wird von einer Anzahl verschiedener Rassen bewohnt. Menschen sind die "klassische" Rasse auf Roven. Sie besitzen ein erhöhtes Hirnvolumen und können daher sich leichter Zauber einprägen. Fast alle Magier auf der Welt sind Menschen und der innere Zirkel besteht sogar nur aus Menschen.
      Orks sind muskulöse, grünhäutige Humanoiden. Männliche Orks besitzen kleine Stoßzähne an ihrem Unterkiefer, weibliche Orks tun dies nicht. Orks besitzen keinerlei Haarwuchs außer auf ihrem Kopf und selbst da in vermidnerter Form, bei Frauen mehr als bei Männern. Orks sind sehr stolz auf ihre Körper und trainieren oft in ihrer Freizeit um ihre Muskeln weiter aufzubauen. Sie sind sehr athletisch begabt und ergreifen daher oft sportliche Berufe. Manchmal sind Orks als rau verschrien, in Wirklichkeit sind sie aber eher "herzlich" und "überschwänglich", was aufgrund ihrer kräftigen Statur missverstanden wird. Orks sind sehr gastfreundlich und offen gegenüber Fremden, allerdings kann ein verärgerter Ork durchaus gefährlich werden, gerade auch deshalb, weil sie so stark sind. Orks lehnen alles ab, was ihren Körper irgendwie nachteilig beeinflussen könnte und ernähren sich ausgesprochen gesund, wenn auch sehr reichhaltig. Sie lehnen Alkohol und andere Rauschmittel gänzlich ab, wobei es auch hier Ausnahmen gibt.
      Elfen sind Humanoide mit zierlicher Gestalt und langen spitzzulaufenden Ohren. Sie besitzen keine sichtbaren Pupillen, was ihren Augen einen seltsamen Look verpasst. Sie besitzen eine sehr blasse und reine Haut und sind besonders stolz auf ihr überdurchschnittlich gutes Aussehen. Elfen sind meist sehr arrogant und halten sich für eine höhere Rasse. Trotz ihrer zierlichen Körper könenn sie sehr gefährliche Gegner sein, da sie besonders agil sind. Elfen halten sich an Reinheitsgebote die ihnen verbietet sich mit anderen Rassen zu paaren. Außerdem leben Elfen in familienclans und paaren sich immer mit einem festen anderen Clan um die reinheit zu gewährleisten.
      Zwerge sind kleine Humanoide (halb so groß wie ein durchschnittlicher Mensch). Sie sind ebenfalls kräftig, aber weniger kräftig als Orks. Sie sind besonders technisch versiert arbeiten daher oft an Maschinen. Viele der technologischen Fortschritte in Roven geht auf ihr Konto. Männliche Zwerge tragen oft kurzgeschorene Bärte. Längere Bärte sind selten, da sie damit oft in ihren Maschinen hängen bleiben würden. Weibliche Zwerge besitzen keine Bärte und sind von zierlicher Gestalt.
      Vampire gehören zu den gefährlichsten Rassen in Roven. Sie sind große, halb-humanoide Vampirfledermäuse. Andere Rassen meiden Vampire. Das kommt daher, da Vampire sich vom Vita anderer Lebewesen ernähren. Sie brauchen nur eine geringe Menge und meist merkt der Wirt nichtmal, dass etwas fehlt, trotzdem macht sie diese Form der Ernährung angsteinflößend. Vampire können außerdem ihre Gestalt beliebig verändern. Durch das aufgenommene Vita nehmen sie aif die DNA des Wirtes. Die DNA speichern sie wie in einem Speicher ab udn können diese aufrufen und vermischen wie sie wollen. Dadurch können sie jede beliebige (organische) Form annehmen sofern sie die passende DNA besitzen. Da Vampire Vita als Nahrung nehmen, leben sie durchschnittlich viel länger und könnten theoretisch ewig leben da sie auch nach Verlust ihrer Vitaregeneration ihr Vita erneuern können. Da das Vita sich in ihrem Körper aber immer schneller abbaut sterben sie dennoch an Altersschwäche, jedoch viel später als andere Rassen.
      Neben diesen ortsansässigen Rassen gibt es noch Rassen aus anderen Teilen der Welt, die durch Immigration ebenfalls in Roven vorhanden sind jedoch meist eine Minderheit im Land einnehmen.

      Das erste Kapitel gibt es morgen, bis dahin wäre es nett, wenn jemand zwischenposten könnte. Ich hoffe auch, dass das Setting und die ideen dahinter euch gefallen werden.
    • Die Ideen und die Hintergrundwelt gefallen mir. Ist auch alles logisch aufgebaut. Eine korrupte, machtversessene Regierung, die ewig leben will. Ein paar unterschiedliche Rassen. Magietechnisierte Welt.
      Joah, nicht schlecht.
    • Zwei Schutzmänner der Regierung fuhren in ihrem Transporter durch die verregneten Straßen. Ihre Aufgabe war es, eine ganz bestimmte Fracht für das Cryogefängnis in Molah überzustellen.
      Der Fahrer summte leise vor sich hin, doch sein Kollege hielt es irgendwann nicht mehr aus.
      „Könntest du das bitte lassen?“
      „Wieso? Das Radio lässt du mich ja nicht benutzen, also beschäftige ich mich anders.“
      „Harold, dein Job ist es zu fahren und auf die Straße zu achten, nicht dir die Zeit mit lustigen Liedern zu vertreiben! Ich bin sowieso schon scheiß nervös wegen des Gefangenen.“
      Der Schutzmann namens Harold erlaubte sich kurz rüber zu seinem Kollegen zu schielen.
      „Wieso? Das ist doch nur noch ein Eisblock. Hast du etwa Angst vor etwas Eis.“
      „Das meine ich nicht, du Idiot! Denkst du eigentlich auch mal nach? Was glaubst du, wieso wir einen Gefangenen und auch nur ihn von Xen nach Molah überstellen sollen? Cryogefangene werden nicht einfach in andere Gefängnisse überführt außer es gibt einen verdammt guten Grund dazu. Zu riskant, wenn der Wagen eine Panne hat und der Gefangene auftaut ist ziemlich schnell die Kacke am dampfen. Nein, dazu muss man schon besorgt sein.“
      „Vielleicht mussten sie Platz für einen neuen Gefangenen machen?“
      „Ja. Ja vielleicht. Trotzdem, das kommt mir irgendwie komisch vor.“
      „Wer ist das überhaupt?“
      „Keine Ahnung. Das wollte uns niemand in der Verwaltung sagen. Wir haben nur die Gefangenennummer gekriegt. Und auch das kommt mir link vor. Ich habe das Gefühl, dass wir hier gerade einen verflucht wichtigen Gefangenen mit uns rumschleppen und die Sicherheitsvorkehrungen bei weitem vernachlässigt wurden. Als wären wir ein Opferlamm oder so.“
      Harold sagte nichts. Dachte er darüber nach oder war es ihm egal? Sein Kollege sah aus dem Fenster. Die Nacht war schon angebrochen. Die Fahrt von Xen nach Molah war nicht gerade kurz und sie waren sowieso schon zu spät losgefahren. Was sollte das ganze nur mit dem Transport? Malcom machte sich große Sorgen, dass die Regierung hier versuchte etwas zu vertuschen. Oder loszuwerden.
      Plötzlich bremste Harold abrupt ab und Malcom wurde nach vorne geworfen.
      „Was soll der Scheiß?!“ fuhr er seinen Kollegen an.
      Dieser starrte nur durch die Windschutzscheibe auf die verregnete Straße. Dort stand eine vermummte Gestalt, eingehüllt in einem schwarzen Regenmantel, die Kapuze weit über den Kopf gezogen, den Blick nach unten gerichtet. Sie trug etwas auf dem Rücken, das fast so groß wie ihr Körper zu sein schien.
      „Was zum…?“
      Die Person sah auf und Malcom konnte noch gerade erkennen, dass es sich um eine junge Frau handelte. Dann brach die Hölle los.
      Im nächsten Moment riss die Frau den Gegenstand von ihrem Rücken und schlug damit in Richtung des Transporters. Malcom dachte zuerst, dass sie sie verfehlt hatte, dann traf ihn etwas von links. Er drehte seinen Kopf und sah den Kopf seines Freundes, der halb abgetrennt wurde.
      „Ach du Scheiße!“ schrie er und versucht schnell seinen Gurt zu lösen. Fast die gesamte linke Hälfte der Fahrerkabine war zerstört worden durch den Gegenstand, den die Frau bei sich trug. Was es auch war, es musste sich um eine gefährliche Waffe handeln.
      Sie holte schon wieder aus und der Schutzmann hatte keine Zeit, den Gurt zu lösen, er zog sofort sein Sicherheitsmesser und schnitt sich los, dann ließ er sich fallen bevor die obere Hälfte seiner Seite abgetrennt wurde. Das war knapp. Er tastete nach dem Griff der Tür auf seiner Seite und benutzte ihn um die Tür zu öffnen. Er warf sich aus dem Wagen und ließ sich auf die nasse Straße fallen. Er drehte den Kopf und sah die Füße der Frau, die um den Wagen herum auf ihn zukam. Irgendwas war schiefgelaufen. Irgendwie waren sie überrascht worden. Und irgendwie konnte eine einzelne Person sie einfach aufhalten.
      „Scheiße, hast du überhaupt eine Ahnung, mit wem du dich hier anlegst? Das ist Eigentum der Regierung! Wir arbeiten für den inneren Zirkel! Wenn sie herauskriegen, bist du erledigt!“
      Die Frau blieb stehen und lächelte.
      „Wer will mich denn schnappen? Es gibt keine Überlebenden, die mich gesehen haben könnten.“
      Malcom erstarrte und seien Augen weiteten sich vor Entsetzen. Ihm dämmerte, was dies bedeutete, sie würde ihn nicht laufen lassen, selbst wenn er ihr den Gefangenen überlassen würde. Sie würde ihn töten, damit es keine Zeugen gab, die sie beschreiben konnten.
      „Warte, lass uns darüber reden!“
      Er hielt abwehrend eine Hand hoch und versuchte sich mit der anderen abzustützen damit er sich aufrichten konnte. Im nächsten Moment war seine Hand verschwunden und er spürte nur noch Schmerzen.
      „Aaaaaah!“
      „Ich verhandle nicht mit Toten.“
      Das waren die letzten Worte, die Malcom hörte bevor er starb.

      Endlich hatte sie ihr Ziel erreicht. Sie trat an den hinteren Teil des Transporters und brach die Tür auf. Mit einer Taschenlampe leuchtete sie herein und sah dort den massiven Eisblock. Der Strahl fiel auf das Gesicht des Gefangenen und die Frau spürte, wie Zorn in ihr aufstieg.
      „Nein! Das darf nicht wahr sein!“
      Wer auch immer diese Person dort war, es war nicht der Mann, den sie suchte.
      „Ihr habt mich reingelegt! Das hier war nur ein Ablenkungsmanöver, ihr habt diese Kerle einfach ihrem Schicksal überlassen, während ihr den echten Transport durchführt.“
      Sie knirschte mit den Zähnen und sah die Straße hinunter. Sie sollte schnell hier weg. Es konnte gut sein, dass der Wagen mit einem Sender versehen war, damit man verfolgen konnte, wann der Überfall stattfand.
      Mit ihrer Waffe zerstörte sie den kompletten Transporter und verschwand dann in der Dunkelheit der Nacht.
    • Nein, das hast du vermutlich falsch verstanden. Ich hatte die geschichte schon einmal vor langer Zeit aber in einer gänzlich anderen Form geschrieben. Das ist jetzt die Neufassung, an der ich zur Zeit schreibe. Das zweite Kapitel kommt noch dieses Wochenende.
    • In Denai fand das jährliche Glimmerfest statt. Genannt wurde es so wegen dem Feuerwerk, das es immer abends gab. Das Glimmerfest war sehr beliebt, es gab Jahrmarktbuden, Imbissstände und Fahrattraktionen. Auch Leute aus anderen Städten wurden hierher angezogen, was mitunter auch an der Gastfreundlichkeit der Einwohner von Denai lag.
      Clay war einer dieser Einwohner, er war ein siebzehnjähriger Jugendlicher mit schlanker Statur und kurzen, braunen Haaren. Obwohl die Sonne nicht besonders stark schien, trug er eine Sonnenbrille auf seinem Gesicht. Er bewegte sich zielgerichtet durch die Menge. Es gab eine Attraktion, die er unbedingt benutzen wollte. Doch auf seinem Weg dorthin kam er an einem Stand mit glasierten und kandierten Früchten vorbei. Ein wenig Stärkung vorher konnte nicht schaden.
      Clay suchte sich eine Schokobanane aus und bezahlte den Verkäufer mit einer Münze. Auf seinem Weg zur Attraktion futterte er die Banane auf. Eigentlich hatte er nicht einmal viel Hunger, er wollte nur etwas naschen.
      Schließlich erreichte er sein Ziel. Ein riesiger Stahlkäfig war aufgebaut, vor dem sich die Leute drängten. Darin befanden sich bewegende Zielscheiben, die der Kandidat mit Wurfmessern treffen musste. Wer eine besonders gute Zeit ablieferte, gewann einen Preis.
      Momentan befand sich noch jemand im Käfig und versuchte sein Glück, die Zuschauer feuerten den Teilnehmer an und schrien. Clay streckte sich nochmal kurz und ruderte mit den Armen. Eigentlich machte das wenig Sinn, er würde davon nicht besser werfen können, aber irgendwie wollte er sich beschäftigen, bis er dran war. Er kaufte sich erstmal ein Ticket und wartete dann, bis er an der Reihe war.
      Vor ihm waren noch einige andere Personen dran, manche hatten Glück und gewannen etwas, manche warfen völlig am Ziel vorbei. Zum Glück verhinderte der Käfig, dass die Messer irgendeinen Zuschauer trafen.
      Als er endlich an der Reihe war, fühlte Clay sich etwas beklommen. Er hatte schon oft geübt, aber selbst im Käfig zu sein, wo ihn alle sehen konnten, war dann doch anders.
      „Okay, hier nochmal die Regeln für dich. Es erscheinen 10 magische Zielscheiben, die sich hin und her bewegen im Käfig. Du hast 11 Wurfmesser, also kannst du einmal vorbeiwerfen. Wenn du alle 10 getroffen hast und eine gute Zeit hingelegt hast, bekommst du einen Preis. Bereit?“
      „Ja“, sagte Clay nur kurz angebunden. Eigentlich fühlte er sich nicht bereit. Von innen sah der Käfig viel größer aus als von außen. Wenn die Zielscheiben an dessen Decke hingen, würde es schwer werden, sie zu erwischen. Plötzlich fiel ihm etwas anderes ein. Was, wenn er nach oben warf und die Zielscheibe verfehlte? Das Messer würde dann auf ihn herunterfallen. Lieber nicht daran denken.
      Der Ansager gab das Signal und kurz darauf erschienen die Zielscheiben. Clay nahm das erste Messer in die Hand und wog sein Gewicht ab. Nicht sehr gut ausbalanciert. Natürlich nicht, man wollte ja nicht, dass jemand gewann. Diese Gauner. Er sah nach oben und fixierte die entfernteste Zielscheibe. Wenn er das Schwerste zuerst schaffen konnte, würde der Rest ganz einfach. Er griff das Messer an der Spitze der Klinge und zielte. Er hielt den Atem an und warf. Vorbei! Er wich dem Messer, das zurück fiel, aus.
      Der Ansager schien amüsiert. „Tja Junge, das war dein erster Versuch. Ab jetzt musst du treffen. Vielleicht solltest du dir lieber erstmal ein leichteres Ziel suchen.“
      Clay ignorierte ihn und konzentrierte sich. Er nahm das zweite Messer. Da er durch den Fehlwurf die ungefähre Flugrichtung des Messers erahnen konnte, konnte er seinen Fixpunkt anpassen. Er warf erneut und dieses Mal traf er. Ermutigt durch den Treffer nahm er sofort das nächste Messer und traf ein weiteres Ziel. Blitzschnell hob er die Messer auf und traf ein Ziel nach dem anderen, dem Ansager fiel vor ungläubiger Verblüffung glatt das Mikrofon aus der Hand. Was war gerade hier los? Clay traf das letzte Ziel. Er hatte nicht viel Zeit mit Nachdenken verschwendet und die letzten Ziele instinktiv abgeworfen. Er wusste, dass es hier um Zeit ging, wenn er zu langsam war, gewann er auch nichts.
      Aber so schnell wie er sich eben bewegt hatte, das hatte hier noch keiner gesehen. Die meisten Teilnehmer zielten lieber sorgfältig, da man es sich nicht erlauben durfte, vorbeizuwerfen.
      Das letzte Ziel wurde getroffen und der Ansager rieb sich die Augen.
      „Uhm, öh. Sieht so aus, als hätten wir einen Gewinner! Gratulation, Junge, damit hätte ich nicht gerechnet. Und das sogar in rekordverdächtiger Zeit! Du darfst dir etwas aus den Toppreisen aussuchen.“
      Der Jugendliche schritt aus dem Käfig und besah sich das Regal. Er wusste schon ganz genau, was er wollte.
      „Ich nehme das Multifunktionstaschenmesser“, sagte er und zeigte auf das Objekt.
      „Eine sehr gute Wahl, dieses Messer ist aus Orichalkum gemacht, es wird nie rosten oder sich abnutzen. Es hat zahlreiche Werkzeugfunktionen und dürfte sicher nützlich sein. Bitte sehr.“
      Er reichte ihm das Messer und Clay ließ sofort die Klinge aufspringen. Er widerstand dem Drang, mit dem Daumen die Schärfe zu testen, er wusste auch so, dass es extrem scharf war. Orichalkum war für seien Härte und seine extreme Haltbarkeit bekannt, ein Messer aus Orichalkum war verdammt teuer und nutzte sich nie ab. Orichalkum war so hart, dass man Magie benutzen musste, um es in seine Form zu bekommen. Aus diesem Grund wurde es manchmal auch das „magische Metall“ genannt.
      Er hielt die Klinge ins Licht und merkte dann, dass er noch die Sonnenbrille trug. Er nahm sie ab und musterte es, wobei er die Augen stark zusammenkniff. Es glänzte blau, es war definitiv echt.
      Als Clay seine Sonnenbrille wieder aufsetzte, tippte ihm jemand auf die Schulter. Er drehte sich um. Es war eine junge Frau, obwohl Clay es nicht sehen konnte, hatte sie blaue Augen und rote, kurze Haare. Was er jedoch sehen konnte waren die falschen Katzenohren, die sie auf dem Kopf trug. Auch wenn sie vermutlich nicht viel älter war als er selbst, vielleicht fünf Jahre, war sie nicht etwas zu alt für so einen Kinderkram?
      „Ja, was ist?“, fragte er die Unbekannte.
      „Entschuldigung, ich kam nicht umhin und bemerkte, dass du trotz der milden Lichtverhältnisse eine Sonnenbrille trägst. Könnte es vielleicht sein, dass du… mit Seth Wells verwandt bist?“
      Es musste ja Leuten auffallen, aber dass ihn jemand darauf dann ansprach, damit hätte er nicht gerechnet.
      „Ja, er ist mein Vater.“
      Die junge Frau hüpfte aufgeregt auf und ab und gab ein quietschendes Geräusch von sich, dass Clay als störend empfand. Hoffentlich machte sie jetzt keine große Sache daraus.
      „Ich wusste es. Kann ich… kann ich deine Augen sehen?“
      Das musste ja kommen. Er gab einen Stoßseufzer von sich und nahm vorsichtig seine Sonnenbrille ab und enthüllte seine Augen. Die Iris war vollkommen rot und die Pupille war aufgehellt. Eine Erbkrankheit, die jeden in der Familie betraf. Dadurch waren die Mitglieder der Wellsfamilie besonders lichtempfindlich und mussten tagsüber Sonnenbrillen tragen, da sie sonst sehr schnell geblendet wurden und Kopfschmerzen bekamen.
      Die junge Frau hielt ihm die Hand hin, die er ergriff und kurz schüttelte. „Mein Name ist Alexis. Ich kann es nicht fassen den Sohn einer echten Berühmtheit kennenzulernen. Wie lebt es sich denn so, wenn man mit einem Großindustriellen zusammenlebt?“
      Seth Wells war der Gründer und Vorsitzende von Wells Technologies, einem riesigen Technologiekonzern, der hauptverantwortlich für die Erfindung, Produktion und Vermarktung zahlreicher technischer Geräte ist, die in ganz Roven genutzt wurden. Das größte Technikunternehmen in Roven und Clays Vater hatte es aufgebaut. Obwohl Clay auf seinen Vater stolz war, sah er ihn nur selten, da dieser oft auf Geschäftsreisen musste. Doch die wenige Zeit, die sein Vater zu Hause verbrachte, investierte er ausschließlich in seinen Sohn, den er über alles liebte. Da Clays Mutter bei dessen Geburt verstarb, fühlte sein Vater sich vermutlich verantwortlich gegenüber seinem Sohn. Doch er sprach ihm auch ein großes Maß an Selbstständigkeit zu, sonst würde er ihn nicht alleine in dem großen Anwesen lassen, in dem er lebte. Na ja, bis auf den Haushaltsdiener abgesehen, der sich um die Hausarbeiten kümmerte.
      Clay sah auf seine Uhr. „Hm, wie wäre es, wenn wir irgendwohin gehen, wo wir uns in Ruhe unterhalten können, hier ist es etwas laut. Bis das Feuerwerk anfängt, haben wir noch Zeit.“
      Alexis schien begeistert von der Idee zu sein, sie gab schon wieder dieses Geräusch von sich. Irgendetwas daran störte ihn ganz gewaltig.
      „Ich denke ich weiß, wo wir hinkönnten“, sagte sie.
      Sie drängte sich durch die Besucher des Festes und Clay folgte ihr einfach mal.
      Sie führte ihn in eine Seitenstraße und stieg dann in ein Auto ein. Er zögerte, konnte er ihr vertrauen? Sie könnte ihn entführen und ein Lösegeld erpressen wollen.
      „Jetzt steig endlich ein!“
      Widerwillig stieg Clay in der Beifahrertür ein. Alexis legte die Katzenohren ab und warf sie auf den Rücksitz.
      „Okay, erzähl mal.“
      Offensichtlich wollte sie nirgends hinfahren, das Auto diente nur zur Unterhaltung. Das war zumindest beruhigend.
      Clay erzählte ihr von seinem Verhältnis mit seinem Vater, dass sie sich gut verstanden, das sein Vater jedoch selten zuhause war. Da er der Erbe eines Technikers und Großindustriellen war, konnte er ein Leben in Luxus leben. Zudem beschäftigte er sich selbst mit Technik. Mit Dreizehn Jahren vollzog er die vorgezogene Prüfung und verließ damit die Ausbildung, um zu Hause durch Selbststudium alles über Technik und andere Dinge zu lernen, was er wissen wollte. Er fing selbst an, Maschinen zu basteln, die sein Vater bei seiner Rückkehr inspizieren sollte. Das war etwas, was sie verband.
      Clay erzählte noch eine Weile weiter, bis ihn Alexis irgendwann fragte: „Denkst du, ich kann deinen Vater irgendwann einmal kennenlernen?“
      „Ich… denke nicht, dass das möglich ist.“ Die Frage machte ihn wieder nervös. War sie wirklich nur ein Fan oder wollte sie etwas Bestimmtes von seinem Vater?
      „Verstehe.“
      Sie schien kurz nachzudenken, bevor sie weitersprach. „Schnall dich an.“
      „Was?“
      „Schnall dich an!“
      Clay zog an seinem Türgriff und merkte, dass er nicht reagierte.
      „Ich sag es dir ein letztes Mal, schnall dich an.“
      Also gab es jetzt doch eine Entführung. Er tat, was sie ihm befahl. Er musste sich erstmal ruhig verhalten und warten, bis sie ihm die Tür auf seiner Seite öffnete, dann würde er sie überrumpeln und abhauen.
      Alexis fuhr los. Die Richtung, die sie fuhr, kam ihm bekannt vor, bis er begriff, dass sie zu seinem Anwesen fuhren. Wollte sie das Haus beklauen?
      Das Auto stoppte vor dem Anwesen der Wells. Der Hausdiener war nicht zu Hause, das wusste Clay. Er hatte frei und war vermutlich auch auf dem Fest.
      Die junge Frau stieg aus und öffnete auf seiner Seite die Tür. Clay wollte sich auf sie stürzen, doch der Gurt hielt ihn zurück. Er war so ein Idiot, er hatte vergessen ihn zu lösen!
      „Mach keine Mätzchen, dann passiert auch nichts.“
      Sie löste seinen Gurt und hielt ihm am Oberarm fest. Ihr Griff war überraschend fest, es fühlte sich wie ein Schraubstock an. Unmöglich sich daraus zu befreien.
      „Was willst du von mir?“
      „Ich improvisiere gerade ein bisschen. Da du sowas wie ein kleines Genie zu sein scheinst, baust du mir etwas.“
      Sie ließ ihn die Tür öffnen und ließ sich von ihm in seine Werkstatt führen. Da sie ihn festhielt und grob seinen Arm umklammerte, sah er keine Chance ihr zu widersprechen. Er hatte das Gefühl, dass sie ihm den Arm brechen würde, wenn er nicht gehorchte. Wer war diese Irre? War Alexis überhaupt ihr richtiger Name?
      Sie reichte ihm einen Datenträger, den er an seinen Computer anschloss. Die Baupläne darauf verblüfften ihn.
      „Woher hast du das? Und wofür brauchst du das?“
      „Das geht dich nichts an.“
      Was sie ihm gegeben hatte, war ein Universalsicherheitsschlüssel, mi dem man alle Sicherheitstüren in Roven öffnen könnte, wenn man möchte. Solche wurden meist von der Regierung für alle möglichen wichtigen Gebäude benutzt. Warenlager, Manabanken, Gefängnisse, vermutlich sogar der Hauptsitz des inneren Zirkels. Wer so einen Schlüssel besaß, konnte einfach ÜBERALL rein. Aber das würde auch bedeuten, dass man sich direkt mit dem Zirkel anlegte und wer war so verrückt und würde das tun?
      „Ich brauche meinen anderen Arm, wenn ich das machen soll.“
      „Okay, aber keine Zicken, reiße dich entzwei, wenn ich das muss.“
      So stark konnte sie nicht sein, aber trotzdem wollte er es nicht riskieren. Außerdem war sein Ehrgeiz gepackt. So ein Generalschlüssel war eigentlich unmöglich zu konstruieren, aber der Bauplan dafür existierte dennoch. Er wollte wissen, ob er es wirklich bauen konnte und ob es funktionierte.
      Er machte sich an die Arbeit. Nach drei Stunden hatte er es geschafft. Ob der Schlüssel funktionierte, konnte er nicht sagen, dazu müsste er ein Schloss der Regierung besitzen, was er nicht tat.
      Alexis, die sich in die Ecke der Werkstatt gesetzt hatte, stand auf und nahm ihm den Schlüssel ab. Sie besah ihn sich.
      „Funktioniert er?“
      „Keine Ahnung, müsste ich testen, aber das kann ich hier nicht.“
      „Dann werden wir wohl einen kleinen Ausflug machen.“
      „Warte, was?!“
      „Du denkst doch nicht, dass ich dich hier lasse, damit du die Schutzmänner rufen kannst während ich teste, ob dein Ding überhaupt geht. Falls er nicht geht, habe ich dich lieber direkt in meiner Nähe.“
      „Aber, wofür brauchst du ihn überhaupt?“
      Sie grinste und entblößte dabei ihre Zähne. „Das wirst du dann sehen.“

      Sie packte ihn wieder und zog ihn mit. Was auch immer sie vorhatte, sie war komplett verrückt. Selbst wenn der Schlüssel funktionierte, die Schutzmänner würden sie aufhalten, sie glaubte doch nicht, dass diese Gebäude unbewacht waren.
      Doch vorerst musste er mit ihr gehen. Wie konnte der Tag nur so sehr in die Hose gehen?
    • Hmmm. Der zweite Teil ist definitiv Bombe. Nette Details, die man schnell nachvollziehen kann, wie "und wog sein Gewicht ab. Nicht sehr gut ausbalanciert. Natürlich nicht, man wollte ja nicht, dass jemand gewann. Diese Gauner." Die Charaktere und deren Motivation sind gut ausgebaut, nachvollziehbar, detailreich und individuell.
      Der erste Teil war dagegen etwas schwach. Es ist nicht allzu gut, wenn man Charaktere einführt, die man als erstes sofort umbringt. Das sorgt beim Leser für Unstimmigkeiten. Auch wenn es nur eine Einführung sein soll.
    • sehe ich übrigens anders, jmd im prolog umzunieten kommt immer gut an, solange es i-wann nochmal aufgegriffen wird.

      mein prob ist, dass ich in die story net rein komme, wenn immer nur so wenig kommt und dann tagelang pause herrscht^^
      Meine Klinge ist blutig, das Schlachtfeld ist rot

      Schnell wie der Blitz bring ich euch den Tod.
    • "solange es i-wann nochmal aufgegriffen wird."

      Joah, so kann man es auch formulieren. Allerdings kommt es nicht wirklich "gut" an. Am Anfang sucht man Bezugspunkte um in die Story reinzukommen, je nachdem, ist das dann kontraproduktiv.

      Naja, da hat Vampire halt nur ein technisches Hindernis. Das Forum erlaubt solche ellenlangen Beiträger nicht. ^^
    • Das stimtm in der Tat. Ich kann nicht so lange Beiträge schreiben im Nostaleboard. Und ich mag's nicht, wenn ich dann einen Mod anschreiben muss, der dann erstmal braucht bis er das macht.
    • Soviel ich getestet habe, gehen Texte mit bis zu zweieinhalb Seiten auf Word, problemlos hier rein.
      Ein echtes sinnvolles Kapitel hat aber mindestens 10 Seiten.
    • Naja, Clay scheint irgendwie ein Promi zu sein, hat ganz offenbar Geld (bzw reiche Eltern) und nicht viele Freunde und schon gar keine Freundin. Außerdem scheint er noch recht jung und grün hinter den Ohren zu sein.
      Soooo unwahrscheinich ist das jetzt also nicht. ;)
    • Wenn ich als Autor noch gerade meinen Senf dazugeben darf: Auch wenn man sehr intelligent ist, kann man trotzdem naiv sein.
      Wie Bruto schon sagte, er ist berühmt und er hatte sich, obwohl er ein ungutes Gefühl hatte, der Illusion hingegeben, dass es sich hierbei um ein Fangirl handeln würde. Und das möchte man auch ein bisschen ausnutzen, wer weiß was daraus sich noch entwickeln könnte :knuddel: